Stell dir vor, du beginnst am 1. Februar 2026 mit null Erfahrung in der Programmierung. Am 30. April hast du ein Portfolio mit drei echten Projekten, ein GitHub-Profil, das aussieht, als würdest du schon zwei Jahre arbeiten, und eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bei einem Startup in Wien. Das ist nicht unmöglich. Tausende haben es geschafft. Du kannst es auch.
Was du wirklich brauchst, nicht was du denkst
JavaScript ist nicht nur eine Programmiersprache. Es ist das, was Webseiten lebendig macht. Wenn du auf eine Seite gehst und etwas klickst, sich ein Menü öffnet oder ein Bild lädt, ohne dass die Seite neu geladen wird - das ist JavaScript. Und das ist genau das, was Unternehmen suchen: Leute, die diese Interaktionen bauen können.Du musst nicht alles lernen. Du brauchst nicht React, Vue, Angular, Node.js, TypeScript, Webpack, Docker und GraphQL auf einmal. Das ist der größte Fehler von Anfängern. Sie versuchen, alles zu lernen, und kommen nie ans Ende. Stattdessen: JavaScript im Kern, dann ein Framework, dann ein Projekt. Punkt.
Wo du anfängst: JavaScript Grundlagen (Woche 1-4)
- Variable:
let,const,var- wofür duletundconstverwendest - Funktionen: Wie du sie schreibst, aufrufst und zurückgibst
- Arrays und Objekte: Wie du Daten speicherst und abrufst
- Bedingungen:
if,else,switch - Schleifen:
for,while,forEach - DOM-Manipulation: Wie du HTML-Elemente mit JavaScript veränderst
Du brauchst kein Buch. Nutze javascript.info - es ist kostenlos, in Deutsch verfügbar und klar aufgebaut. Mache jeden Beispielcode selbst nach. Tippe ihn nicht nur ab - verstehe, warum er funktioniert. Wenn du eine Aufgabe nicht verstehst, schreib sie auf ein Blatt Papier. Erkläre sie laut, als würdest du sie einem Freund erklären. Wenn du das kannst, hast du es verstanden.
Am Ende der vierten Woche solltest du eine einfache To-Do-Liste bauen können - ohne Framework. Nur HTML, CSS und JavaScript. Wenn du das hinbekommst, hast du schon mehr als 80 % der Anfänger hinter dir.
Frontend-Framework: React (Woche 5-8)
Nach den Grundlagen kommst du zu React. Es ist nicht die einzige Wahl, aber die am häufigsten geforderte. In Österreich, Deutschland und der Schweiz wird React in 7 von 10 Stellenanzeigen für Junior-Entwickler verlangt.
Warum React? Weil es dir hilft, große Anwendungen strukturiert zu bauen. Du lernst:
- Komponenten: Wie du UI-Teile in wiederverwendbare Blöcke aufteilst
- Props: Wie du Daten von einer Komponente zur anderen schickst
- State: Wie du Daten speicherst, die sich ändern können (z. B. ein Klickzähler)
- UseEffect: Wie du Daten von einer API holst
Verwende die offizielle React-Dokumentation. Mach das Tic-Tac-Toe-Tutorial von React selbst. Es dauert 2-3 Tage, aber du wirst dabei lernen, wie echte Entwickler denken. Keine Videos. Keine Kurse. Nur die Dokumentation und eigene Versuche.
Am Ende dieser Phase baust du eine Wetter-App, die die aktuelle Temperatur aus einer öffentlichen API holt - z. B. von OpenWeatherMap. Du brauchst keine API-Key-Authentifizierung, nur den kostenlosen Zugang. Das ist dein erstes echtes Projekt mit echten Daten.
Dein Portfolio: 3 Projekte, 10 Stunden pro Woche (Woche 9-12)
Jetzt baust du drei Projekte. Nicht mehr. Nicht weniger. Aber sie müssen echt sein. Keine Tutorials nachgemacht. Du musst sie selbst gestalten.
Projekt 1: Reiseplaner
Eine Seite, wo du Ziele eingibst, Datum auswählst und eine Liste mit Empfehlungen bekommst - z. B. Restaurants, Sehenswürdigkeiten in Wien, Prag oder Budapest. Du speicherst die Daten lokal im Browser (mit localStorage). Keine Datenbank nötig.
Projekt 2: Quiz-App
Ein Multiple-Choice-Quiz mit 10 Fragen über Österreich. Die Fragen und Antworten liegen in einem JSON-Objekt in deinem Code. Nach dem Abschließen bekommst du eine Punkteanzahl und eine Bewertung. Du zeigst, dass du mit State und Events umgehen kannst.
Projekt 3: Einkaufsliste mit Sync
Du baust eine Liste, die du auf deinem Handy und Laptop bearbeiten kannst. Dafür verwendest du Firebase - kostenlos und ohne Server. Du lernst, wie man Daten in der Cloud speichert. Das ist ein riesiger Pluspunkt.
Veröffentliche alle drei Projekte auf GitHub. Schreibe eine klare README.md-Datei dazu: Was ist das Projekt? Wie startet man es? Was hast du gelernt? Kein „Hallo, ich bin neu“-Text. Nur Fakten.
Was du nicht brauchst
Kein Node.js. Kein Express. Kein MongoDB. Kein Docker. Diese Dinge brauchst du erst, wenn du Backend-Jobs suchst. Und das ist nicht dein Ziel - jetzt nicht. Du willst einen Frontend-Job. Das bedeutet: Du arbeitest mit HTML, CSS, JavaScript und React. Punkt.
Wenn jemand sagt: „Du musst auch Backend lernen, sonst bekommst du keinen Job.“ - ignoriere das. Das ist ein Mythos. In Österreich gibt es Hunderte Junior-Frontend-Stellen. Du musst nur gut im Frontend sein.
Wie du dich bewirbst
Am 25. April fängst du an, dich zu bewerben. Nicht am 30. April. Du hast drei Wochen Zeit, um dich vorzubereiten.
- Erstelle ein LinkedIn-Profil mit „Junior Frontend Developer“ als Titel
- Lade dein Portfolio hoch - als Link in deinem Profil
- Verlinke dein GitHub-Profil
- Schreibe eine kurze Beschreibung: „Ich habe in 3 Monaten drei echte Projekte gebaut, die du auf meinem Portfolio siehst. Ich lerne schnell, arbeite strukturiert und liebe klare Code-Strukturen.“
Bewirb dich bei 10 Unternehmen pro Woche. Nicht bei 100. Bei 10. Aber mach das jede Woche. Nutze LinkedIn, StepStone und Indeed. Filter nach „Junior“ und „Einstieg“.
Wenn du eine Einladung bekommst: Übe das Vorstellungsgespräch. Du wirst gefragt:
- „Erzähl mir von deinem Projekt mit Firebase.“
- „Was ist der Unterschied zwischen
letundconst?“ - „Wie würdest du eine Liste von Produkten rendern, wenn die Daten von einer API kommen?“
Antworte klar. Nicht zu lang. Zeige, dass du denkst, nicht nur auswendig gelernt hast.
Was passiert, wenn du es nicht schaffst?
Du schaffst es. Du wirst es schaffen, wenn du jeden Tag 2-3 Stunden investierst. Nicht nur am Wochenende. Jeden Tag. Selbst wenn du nur 30 Minuten hast - mache etwas. Ein kleines Beispiel. Eine neue Funktion. Eine Zeile Code.
Die meisten scheitern nicht an der Technik. Sie scheitern an Konsistenz. Du brauchst keine Begabung. Du brauchst Durchhaltevermögen. Und du hast es schon bewiesen: Du hast diesen Artikel gelesen. Das ist der erste Schritt.
Was kommt danach?
Wenn du nach drei Monaten einen Job bekommst, bist du nicht fertig. Du bist erst am Anfang. Dann lernst du TypeScript, CSS-Frameworks wie Tailwind, Tests mit Jest, und vielleicht später Node.js. Aber das ist der nächste Schritt. Jetzt geht es nur darum, den ersten Job zu bekommen.
Am 30. April 2026 wirst du nicht perfekt sein. Aber du wirst besser sein als 90 % der Leute, die seit zwei Jahren „lernen“ und noch nichts gebaut haben.
Kann ich JavaScript lernen, wenn ich kein Mathe-Genie bin?
Ja. Du brauchst keine Hochschulmathematik. Du brauchst logisches Denken. Das ist etwas anderes. Wenn du eine To-Do-Liste bauen kannst, dann kannst du auch JavaScript lernen. Es geht nicht um Formeln, sondern um Strukturen: Was passiert, wenn ich das mache? Wie verknüpfe ich die Teile? Das kannst du lernen - und du hast es schon getan, als du heute morgen deinen Wecker abgestellt hast.
Wie viel Zeit brauche ich wirklich pro Tag?
Zwei bis drei Stunden am Tag. Das ist weniger als eine Folge Netflix. Wenn du nur 30 Minuten hast, reicht das auch - aber dann musst du konsequent sein. Ein Tag ohne Code ist ein Tag, den du zurückgewinnst. Nicht verlierst. Du musst nicht alles auf einmal lernen. Du musst jeden Tag etwas tun.
Soll ich ein Kurs kaufen?
Nein. Du brauchst keine teuren Kurse. Die besten Ressourcen sind kostenlos: javascript.info, react.dev, MDN Web Docs. Wenn du Geld ausgibst, dann nur für ein Buch wie „Eloquent JavaScript“ - und nur, wenn du es lieber auf Papier liest. Alles andere ist Ablenkung.
Was mache ich, wenn ich hängebleibe?
Schreibe den Fehler auf. Dann gehe auf Stack Overflow und suche nach dem genauen Fehlertext. Wenn du nichts findest, stelle eine Frage - aber nur, wenn du deinen Code mit dem Fehler und deiner Frage gepostet hast. Keine „Hilfe, es funktioniert nicht!“. Zeige, was du versucht hast. Die Community hilft, wenn du dich anstrengst.
Gibt es in Wien Jobs für Anfänger?
Ja. Unternehmen wie Red Bull, Zalando, die Stadt Wien und viele Startups suchen regelmäßig Junior-Frontend-Entwickler. Du musst nicht bei Google oder Amazon bewerben. Kleine und mittlere Firmen bieten oft bessere Einstiegschancen - und mehr Verantwortung von Anfang an.
Was du als nächstes tun solltest
Heute. Sofort. Öffne deinen Browser. Gehe zu javascript.info. Lies den ersten Abschnitt: „Hello World“. Dann öffne die Konsole in deinem Browser (F12 → Console). Tippe ein: console.log("Ich fange heute an");. Drücke Enter. Sieh dir das Ergebnis an. Das war dein erster Code. Du hast es geschafft. Der Rest kommt von allein - wenn du weitermachst.