Wenn du gerade mit Programmieren anfängst, hast du dich wahrscheinlich schon gefragt: PHP oder Python? Beide Sprachen werden oft für Webentwicklung genutzt, aber sie fühlen sich komplett unterschiedlich an. Einige sagen, PHP sei verwirrend und altmodisch. Andere behaupten, Python sei zu einfach - fast zu leicht. Wer hat recht?
PHP: Die Sprache, die das Web gebaut hat
PHP wurde in den 90er-Jahren entwickelt, um dynamische Webseiten zu erstellen. Heute läuft es auf über 75 % aller Webserver, die eine Server-seitige Sprache nutzen. WordPress, Wikipedia, Facebook (in den Anfangsjahren) - alles gebaut mit PHP. Das bedeutet: Du lernst eine Sprache, die in der echten Welt funktioniert, nicht nur in Tutorials.
Aber hier ist der Haken: PHP hat eine ungleichmäßige Geschichte. Die Syntax ist nicht immer konsistent. Manchmal schreibst du echo $variable;, manchmal print_r($array);. Funktionen heißen manchmal strlen(), manchmal mb_strlen(). Es gibt keine klare Logik dahinter - nur Tradition. Das verwirrt Anfänger. Du musst dich nicht nur mit Programmieren beschäftigen, sondern auch mit den Eigenheiten einer Sprache, die sich über Jahrzehnte entwickelt hat.
Und dann gibt es die alten Praktiken. Viele Tutorials aus dem Jahr 2010 zeigen dir, wie du SQL-Abfragen direkt in deinen PHP-Code schreibst. Das ist unsicher. Heutzutage solltest du PDO oder MySQLi mit vorbereiteten Anweisungen nutzen. Aber wer erklärt dir das, wenn du gerade erst anfängst? Du musst selbst herausfinden, was heute noch gültig ist - und was nur noch in alten Büchern steht.
Python: Sauber, klar, konsistent
Python wurde 2001 als Sprache für klare, lesbare Codebasen entwickelt. Der Entwickler Guido van Rossum wollte, dass Code wie normale Sprache wirkt. Deshalb ist die Syntax so einfach: print("Hallo Welt"). Keine Semikolons. Keine geschweiften Klammern. Kein var, let, const - einfach nur name = "Max".
Das macht es leichter, Fehler zu erkennen. Wenn du einen Syntax-Fehler machst, siehst du ihn sofort. Python zwingt dich, sauberen Code zu schreiben. Ein Tab oder ein Leerzeichen zu viel - und der Code läuft nicht. Das ist frustrierend, wenn du anfängst. Aber es lehrt dich Disziplin. Du lernst nicht nur, wie man programmiert - du lernst, wie man strukturiert denkt.
Und dann gibt es die Bibliotheken. Mit Flask oder Django baust du in wenigen Stunden eine voll funktionsfähige Webseite. Mit Pandas analysierst du Daten. Mit Requests holst du Daten aus APIs. Alles mit derselben klaren Syntax. Du musst nicht zwischen fünf verschiedenen Bibliotheken wechseln, nur weil sie unterschiedlich funktionieren. Python ist konsistent - von der ersten Zeile bis zur letzten.
Was ist wirklich schwerer?
Die Frage ist nicht, welche Sprache schwerer ist. Die Frage ist: Was willst du erreichen?
Wenn du eine einfache Website mit einem Kontaktformular bauen willst, ist PHP schneller. Du installierst XAMPP, legst eine Datei namens index.php an, schreibst ein paar Zeilen Code - und schon läuft es. Kein Build-Prozess. Kein Virtual Environment. Kein pip install. Du drückst F5 und siehst das Ergebnis. Das ist direkt. Das ist vertraut.
Aber wenn du später eine größere Anwendung bauen willst - mit Benutzerverwaltung, API-Schnittstellen, Datenbank-Abfragen, Tests - dann wird PHP schnell unübersichtlich. Du musst Frameworks wie Laravel lernen, die selbst wieder eine eigene Logik haben. Und dann entdeckst du: Die Dinge, die du in Python in drei Zeilen machst, brauchen in PHP zehn.
Python hingegen braucht etwas mehr Aufwand am Anfang. Du musst Python installieren, ein Virtual Environment einrichten, Pakete mit pip hinzufügen. Das ist für Anfänger ein Hindernis. Aber sobald du das einmal verstanden hast, ist es immer gleich. Du brauchst es nicht neu lernen. Bei PHP musst du das immer wieder - weil die Regeln sich ändern.
Die Realität: Wer PHP lernt, lernt auch Chaos
Ich habe mit PHP angefangen. Vor zehn Jahren. Ich habe Stunden damit verbracht, herauszufinden, warum eine Funktion nicht funktioniert - und es war nur ein falsches Groß- oder Kleinschreiben. Oder weil ich eine Funktion aus einer alten Version benutzt hatte, die in der neuen Version entfernt wurde. Das ist nicht Programmieren lernen. Das ist Fehlersuche in einer Sprache mit schlechter Dokumentation.
Python hat mir geholfen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Probleme lösen. Nicht Syntax-Falle umgehen. Nicht herausfinden, ob ich $_POST["email"] oder filter_input(INPUT_POST, "email") verwenden soll. Ich konnte mich auf die Logik konzentrieren. Und das ist der Kern von Programmieren.
PHP ist nicht schlecht. Es funktioniert. Es ist stabil. Aber es ist wie ein altes Auto: Es fährt, aber du musst ständig reparieren. Python ist wie ein modernes Elektroauto: Du lädst es auf, drückst auf das Gaspedal, und es fährt - ohne dass du den Motor verstehen musst.
Was lernst du wirklich?
Wenn du PHP lernst, lernst du:
- Wie man mit veralteten Funktionen umgeht
- Wie man mit unklaren Dokumentationen arbeitet
- Wie man zwischen verschiedenen Frameworks wechselt (CodeIgniter, Symfony, Laravel)
- Wie man Sicherheitslücken manuell schließt
Wenn du Python lernst, lernst du:
- Wie man klare Strukturen erstellt
- Wie man Bibliotheken wiederverwendet
- Wie man Daten verarbeitet
- Wie man Tests schreibt
- Wie man mit APIs arbeitet
Beide Sprachen können Webseiten erstellen. Aber Python gibt dir Werkzeuge, die du auch in anderen Bereichen brauchst: Datenanalyse, Künstliche Intelligenz, Automatisierung. PHP bleibt fast ausschließlich im Web.
Der entscheidende Unterschied: Zukunftsfähigkeit
PHP wird noch lange existieren. Es gibt Millionen von WordPress-Seiten, die nicht verschwinden werden. Aber neue Projekte? Die meisten Unternehmen wählen heute Python, wenn sie eine neue Anwendung bauen. Warum? Weil es schneller zu entwickeln ist. Weil es weniger Fehler gibt. Weil es leichter zu warten ist.
Wenn du in drei Jahren einen Job suchst, wer wird mehr gefragt? Wer hat mehr Möglichkeiten? Wer kann sich leichter in andere Bereiche wechseln?
PHP ist ein Spezialist. Python ist ein Allrounder. Und Allrounder haben mehr Chancen.
Was solltest du jetzt tun?
Wenn du nur eine kleine Webseite bauen willst - und du weißt, dass es nur eine einmalige Sache ist - dann geh mit PHP. Es ist schneller. Es ist einfacher, eine Lösung zu finden.
Aber wenn du lernen willst, wie man wirklich programmiert - wie man Probleme löst, Strukturen baut, Code wartet, und später auch in andere Bereiche wechseln will - dann fang mit Python an.
Du brauchst keine Angst vor der Komplexität von Python zu haben. Es ist nicht komplex. Es ist klar. Und wenn du erst einmal verstanden hast, wie es funktioniert, wirst du dich wundern, warum du so lange gezögert hast.
Ist PHP noch relevant in 2026?
Ja, PHP ist noch relevant - aber nur in bestehenden Projekten. Über 75 % aller Webserver nutzen PHP, hauptsächlich wegen WordPress. Aber neue Projekte, besonders in Unternehmen, werden zunehmend mit Python, JavaScript oder Go gebaut. PHP bleibt wichtig für Wartung, nicht für Neuentwicklung.
Kann ich PHP und Python gleichzeitig lernen?
Technisch ja - aber es ist nicht empfehlenswert. Die Syntax und Denkweisen sind zu unterschiedlich. Du verwechselst schnell, wie man eine Variable deklariert oder eine Datenbank verbindet. Besser: Lerne eine Sprache gründlich, bevor du eine zweite anfängst. Python ist die bessere erste Wahl.
Welche Sprache ist besser für Anfänger ohne Vorkenntnisse?
Python. Es hat eine einfachere Syntax, weniger Überraschungen und eine klarere Struktur. Du konzentrierst dich auf Logik, nicht auf Syntax-Fallen. Die meisten Online-Kurse für Anfänger nutzen Python, weil es effektiver zum Lernen ist.
Brauche ich einen Server, um PHP zu lernen?
Nein, nicht unbedingt. Du kannst lokale Server wie XAMPP oder MAMP installieren, aber es gibt auch Online-Tools wie PHP Sandbox oder Replit, die dir eine direkte Ausführung im Browser ermöglichen. Python kannst du sogar ohne Server lernen - du schreibst den Code in einer Datei und führst ihn mit dem Befehl python datei.py aus.
Ist Python langsamer als PHP?
Technisch ja - aber das spielt in der Praxis kaum eine Rolle. Die Geschwindigkeit eines Webservers hängt mehr von der Architektur, der Datenbank und der Netzwerkverbindung ab als von der Sprache. Python ist in Webanwendungen so schnell, dass du es nicht spürst. Die Vorteile von klarer Code-Struktur und schneller Entwicklung wiegen viel schwerer als ein paar Millisekunden mehr Ladezeit.