Lohnt es sich, PHP in 2024 zu lernen?

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Stell dir vor, du willst eine Website bauen. Oder eine einfache App. Oder du hast einen alten Server, der noch mit PHP läuft, und du sollst ihn warten. Dann fragst du dich: PHP ist doch alt, oder? Wird es überhaupt noch verwendet? Sollte ich nicht lieber mit JavaScript oder Python anfangen? Diese Fragen kommen immer wieder auf - und zu Recht. Aber die Antwort ist komplizierter, als viele denken.

PHP ist nicht tot - es ist überall

Wenn du denkst, PHP ist ausgestorben, weil es in TikTok-Tutorials nie vorkommt, liegst du falsch. Tatsächlich läuft PHP heute auf über 77 % aller Webserver, die eine Content-Management-System nutzen - laut W3Techs, Stand 2024. Das bedeutet: Jede dritte Website auf der Welt, die du besuchst, nutzt PHP. WordPress, Drupal, Joomla, Magento - alle sind in PHP geschrieben. Und das sind keine kleinen Blogs. Das sind Unternehmen, Regierungsseiten, große Online-Shops. WordPress allein treibt 43 % aller Websites an. Das sind über 1,5 Milliarden Seiten. Wenn du WordPress anpasst, erweiterst oder reparierst, brauchst du PHP. Kein anderer Sprache macht das so einfach und so weit verbreitet.

PHP hat sich verändert - und zwar gut

Wer PHP noch als das alte, chaotische PHP 4 kennt, der sieht nicht, was sich seit 2015 getan hat. Mit PHP 7 kam eine Revolution: Die Geschwindigkeit verdoppelte sich, der Speicherverbrauch sank um 50 %. PHP 8, das seit 2020 Standard ist, hat nochmal alles aufgeräumt. Jetzt gibt es Typen, Union Types, Match-Ausdrücke, Named Arguments - alles, was moderne Sprachen haben. Ein einfaches Beispiel:

function calculateTotal(float $price, int $quantity): float {
    return $price * $quantity;
}

Das ist kein Code aus dem Jahr 2000. Das ist sauber, sicher und leicht zu warten. Die Fehlermeldungen sind jetzt präzise. Die Dokumentation ist gut. Die Community hat gelernt, dass Qualität zählt. PHP ist heute eine Sprache für professionelle Anwendungen - nicht mehr nur für schnelle Skripte.

Was kannst du mit PHP heute machen?

PHP ist nicht mehr nur für alte Blogs. Es läuft in großen Unternehmen. Shopify nutzt PHP für Teile seiner Backend-Infrastruktur. Etsy hat seine gesamte Plattform auf PHP umgestellt - und sagt, dass es die beste Wahl für ihre Teamgröße und Entwicklungszyklen war. Facebook hat PHP mit HHVM optimiert, um Milliarden Anfragen pro Tag zu verarbeiten. Auch wenn Facebook heute eher Hack nutzt - das ist eine PHP-Erweiterung. PHP ist also der Boden, auf dem viele moderne Systeme stehen.

Und es gibt Frameworks, die PHP zu etwas ganz anderem machen: Laravel, Symfony, CodeIgniter. Laravel ist heute eine der beliebtesten Webentwicklungs-Plattformen weltweit. Es hat eine klare Struktur, eine starke Community, eine gute Dokumentation und Tools für Authentifizierung, Queue-Systeme, API-Entwicklung - alles, was du brauchst. Du kannst mit Laravel eine vollständige Webanwendung bauen, die genauso professionell ist wie eine mit Node.js oder Django. Und sie läuft auf jedem günstigen Shared-Host - kein teurer Server nötig.

Ein riesiger Baum mit Wurzeln aus Servern und Ästen aus PHP-Frameworks, umgeben von digitalen Webseiten.

PHP vs JavaScript vs Python - wer gewinnt?

Du wirst oft hören: „Lerne JavaScript, das ist die Zukunft.“ Oder: „Python ist einfacher.“ Beides stimmt - aber nur teilweise.

JavaScript ist perfekt für Frontend-Entwicklung. Wenn du interaktive Websites, Apps oder Single-Page-Applications bauen willst, ist JavaScript (oder TypeScript) die beste Wahl. Aber für Server-Seite? Node.js ist da, aber es ist komplexer. Du musst dich mit Asynchronität, Callbacks, Promises und Event-Loops auseinandersetzen - und das ist nicht für jeden Anfänger leicht.

Python ist großartig für Datenanalyse, KI oder Automatisierung. Aber für Webentwicklung? Django und Flask sind stark - aber sie brauchen mehr Ressourcen. Sie laufen nicht auf jedem billigem Hosting. Und sie sind langsamer als PHP bei einfachen Seiten. Außerdem: Wer hat schon ein Python-Hosting? Fast jeder hat ein PHP-Hosting. Das macht einen riesigen Unterschied, wenn du schnell loslegen willst.

PHP ist die Brücke: Einfach zu starten, schnell zu deployen, gut dokumentiert, und für Webseiten optimiert. Es ist nicht die beste Sprache für alles - aber es ist die beste für eine bestimmte Aufgabe: Webseiten bauen, die schnell, stabil und günstig laufen.

Wie schwer ist es, PHP zu lernen?

Wenn du schon eine andere Sprache kennst - JavaScript, Python, Java - dann lernst du PHP in einer Woche. Die Syntax ist ähnlich. Die Konzepte sind die gleichen: Variablen, Schleifen, Funktionen, Klassen. Der einzige Unterschied: PHP ist speziell für das Web gebaut. Du schreibst direkt HTML in die Datei. Du greifst auf $_POST und $_GET zu. Du verbindest dich mit MySQL. Das ist intuitiv, wenn du Webseiten bauen willst.

Wenn du komplett neu bist? Dann ist PHP eine der sanftesten Einstiegs-Sprachen. Du brauchst keinen Compiler, keine komplexe Entwicklungsumgebung. Installiere XAMPP (kostenlos), leg eine Datei mit <?php echo "Hallo Welt"; ?> an, öffne sie im Browser - und du hast deine erste Webseite. Kein Framework. Kein Build-Tool. Kein Node.js. Kein Docker. Nur ein Browser und eine Datei. Das ist unglaublich einfach - und das macht den Einstieg so stark.

Was ist mit Karriere und Jobs?

Ja, neue Jobs mit PHP sind seltener als mit JavaScript oder Python. Aber sie existieren - und sie zahlen gut. In Europa, besonders in Deutschland, Österreich und der Schweiz, gibt es Tausende Unternehmen, die noch PHP-Systeme betreiben. Die meisten sind kleine bis mittlere Firmen: Agenturen, E-Commerce-Shop-Betreiber, öffentliche Einrichtungen, Versicherungen. Sie brauchen Leute, die ihre Systeme updaten, sichern und erweitern. Und sie zahlen zwischen 45.000 und 70.000 Euro im Jahr für erfahrene PHP-Entwickler - oft mit Homeoffice und guter Work-Life-Balance.

Und hier ist der Trick: Du musst nicht der beste PHP-Entwickler der Welt sein. Du musst nur gut genug sein, um WordPress-Plugins zu schreiben, Laravel-Apps zu warten oder alte Systeme zu modernisieren. Viele Unternehmen suchen genau das: jemanden, der versteht, wie man bestehende Systeme repariert und verbessert - nicht jemanden, der die neueste Framework-Version ausprobiert.

Eine Brücke aus PHP-Code verbindet alte Server mit moderner Infrastruktur, Entwickler gehen darüber.

Wann lohnt sich PHP nicht?

PHP ist nicht die richtige Wahl, wenn du:

  • Eine mobile App bauen willst (nutze Flutter oder React Native)
  • Datenanalyse oder KI machen willst (nutze Python)
  • Eine Echtzeit-App wie Chat oder Spiel willst (nutze Node.js oder Go)
  • Du dich nur für Trends interessierst und nicht für stabile, praktische Lösungen

Wenn du aber Webseiten, Online-Shops, CMS-Systeme oder Backend-Dienste für bestehende Websites bauen willst - dann ist PHP immer noch eine der besten Wahlen. Es ist nicht sexy. Es ist nicht trendy. Aber es ist nützlich. Und das zählt mehr.

Wie fängst du an?

Wenn du entschieden hast, PHP zu lernen - hier ist der praktische Weg:

  1. Installiere XAMPP oder Local by Flywheel (für Windows, Mac, Linux)
  2. Erstelle eine Datei mit <?php phpinfo(); ?> und öffne sie im Browser - du siehst, ob alles läuft
  3. Lerne die Grundlagen: Variablen, Arrays, Schleifen, Funktionen, Formulare
  4. Bau ein kleines Kontaktformular mit E-Mail-Versand
  5. Installiere Composer und lerne, wie man Packages nutzt
  6. Probiere Laravel aus: Erstelle ein einfaches Blog mit Artikeln und Kommentaren
  7. Veröffentliche es auf einem günstigen Host wie Netcup oder Hostinger

Du brauchst keine Zertifikate. Du brauchst kein Studium. Du brauchst nur eine Idee und die Bereitschaft, etwas zu bauen - und dann zu verbessern. Das ist der Weg, den die meisten erfolgreichen PHP-Entwickler gegangen sind.

PHP ist keine Zukunft - es ist eine Realität

PHP wird nicht verschwinden. Es wird nicht durch JavaScript ersetzt. Es wird nicht durch KI ersetzt. Es wird einfach weiterlaufen - weil es funktioniert. Weil es billig ist. Weil es verstanden wird. Weil es Millionen von Websites am Leben hält.

Wenn du lernen willst, wie man Webseiten baut - und zwar schnell, effizient und mit echten Aufträgen - dann ist PHP immer noch eine der besten Sprachen dafür. Es ist nicht die coolste. Es ist nicht die neueste. Aber es ist eine der zuverlässigsten. Und in der Technik zählt das mehr als jeder Trend.

Ist PHP sicher?

Ja - wenn du es richtig verwendest. PHP selbst ist nicht unsicher. Unsicher sind schlecht geschriebene Code-Beispiele aus dem Jahr 2005. Heute nutzt du Frameworks wie Laravel, die automatisch SQL-Injection, Cross-Site Scripting und CSRF-Angriffe abwehren. Du musst nur die richtigen Praktiken anwenden: Eingaben validieren, Datenbankabfragen mit Prepared Statements machen, keine Passwörter im Klartext speichern. Mit modernem PHP ist deine Website sicherer als viele JavaScript-Apps, die auf unsichere APIs setzen.

Kann ich mit PHP als Freelancer Geld verdienen?

Absolut. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es Hunderte kleine Unternehmen, die WordPress, WooCommerce oder eigene PHP-Systeme brauchen. Sie zahlen zwischen 40 und 80 Euro pro Stunde für erfahrene Entwickler. Du brauchst keine große Portfolio-Seite - nur ein paar funktionierende Projekte. Ein einfacher Online-Shop, der auf WooCommerce läuft, oder ein Kontaktformular mit E-Mail-Versand - das reicht, um erste Aufträge zu bekommen. Viele Freelancer verdienen mehr mit PHP als mit neuen Technologien, weil die Nachfrage stabil ist.

Wie lange dauert es, PHP zu lernen?

Wenn du täglich eine Stunde übst, kannst du in 4-6 Wochen ein einfaches Laravel-Project bauen - mit Benutzeranmeldung, Datenbank und Formularen. In 3 Monaten bist du in der Lage, kleinere Aufträge zu übernehmen. Es geht nicht um Perfektion - es geht um Funktionalität. PHP ist eine Sprache, die dir schnell Ergebnisse zeigt. Das motiviert. Und das macht den Lernprozess schneller als bei vielen anderen Sprachen.

Soll ich PHP und JavaScript lernen?

Ja - aber nicht gleichzeitig. Lerne zuerst PHP, um Backend-Logik zu verstehen: Daten speichern, Formulare verarbeiten, Benutzer authentifizieren. Dann lerne JavaScript, um die Frontend-Seite zu verbessern: Interaktionen, Animationen, AJAX-Anfragen. Die Kombination ist mächtig: Du kannst dann vollständige Webanwendungen bauen - vom Server bis zum Browser. Viele Jobs suchen genau das: jemanden, der beide Seiten versteht. PHP ist der Anfang, JavaScript der nächste Schritt.

Wird PHP durch KI ersetzt?

Nein. KI kann Code generieren - aber nicht die ganze Infrastruktur. Wer ein bestehendes PHP-System wartet, braucht jemanden, der versteht, wie die Datenbank strukturiert ist, wie die Authentifizierung funktioniert, wie die Serverkonfiguration aussieht. KI kann dir helfen, eine Funktion zu schreiben - aber nicht, das ganze System zu verstehen. PHP-Entwickler werden nicht ersetzt - sie werden nur besser unterstützt. KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz.

Über den Autor

Sonja Meierhof

Sonja Meierhof

Ich bin Sonja Meierhof und ich habe eine Leidenschaft für Entwicklung. Als Expertin in meinem Feld habe ich zahlreiche Projekte in verschiedenen Programmiersprachen umgesetzt. Ich liebe es, mein Wissen durch das Schreiben von Fachartikeln zu teilen, besonders im Bereich Softwareentwicklung und innovative Technologien. Stetig arbeite ich daran, meine Fähigkeiten zu erweitern und neue Programmierkonzepte zu erforschen.