Wenn du Python code schreibst, ist es nicht nur wichtig, dass er funktioniert. Es ist auch entscheidend, wie er aussieht. Ein sauberer, konsistenter Code wird von anderen Entwicklern leichter gelesen, gewartet und erweitert. In Python gibt es vier Haupt-Coding-Stile, die du kennen solltest. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Formatierung, sondern auch in der Philosophie hinter dem Schreiben von Code. Die meisten Profis folgen einem dieser Stile - manchmal sogar einem Mix davon - je nach Projekt, Team oder Firma.
PEP 8 - Der offizielle Standard
Wenn du nur einen Coding-Stil in Python lernst, dann sollte es PEP 8 sein. PEP 8 ist nicht nur ein Vorschlag, es ist die offizielle Richtlinie für Python-Code, geschrieben von Guido van Rossum, dem Erfinder von Python. Sie wurde 2001 veröffentlicht und wird seitdem von der gesamten Python-Community als Goldstandard akzeptiert.
PEP 8 regelt alles: Wie viele Leerzeichen du für Einrückungen verwendest (immer 4), wo du Leerzeichen um Operatoren setzt, wie du Variablennamen schreibst (snake_case für Variablen und Funktionen, CapitalCase für Klassen), und sogar wie du Kommentare formatierst. Ein Beispiel: user_name = "Anna" ist PEP 8-konform, userName hingegen nicht.
Tools wie black, autopep8 oder flake8 helfen dir, deinen Code automatisch nach PEP 8 zu formatieren. Viele Unternehmen verlangen PEP 8 als Pflicht - besonders in Open-Source-Projekten wie Django oder Requests. Wer hier nicht mitmacht, wird als unprofessionell angesehen.
Google Python Style Guide - Strikt und klar
Google hat seinen eigenen Style Guide für Python entwickelt - und er ist deutlich strenger als PEP 8. Wenn du bei Google arbeitest oder an einem Google-Projekt mitwirkst, musst du diesen Stil befolgen. Er ist besonders nützlich für große Teams, die auf Konsistenz und Vorhersehbarkeit angewiesen sind.
Einige Unterschiede zu PEP 8: Google erlaubt nur 80 Zeichen pro Zeile, während PEP 8 88 Zeichen akzeptiert. Google verlangt, dass import-Anweisungen in drei Gruppen aufgeteilt werden: Standardbibliothek, Drittanbieter-Bibliotheken und lokaler Code - mit einer leeren Zeile dazwischen. Auch bei der Verwendung von Leerzeichen bei Default-Parametern ist Google strikter: def func(a=1) ist erlaubt, aber def func(a = 1) nicht.
Google legt großen Wert auf Lesbarkeit über Kürze. Zum Beispiel bevorzugt es if x is not None: statt if x:, wenn man explizit auf None prüfen will. Das macht den Code zwar etwas länger, aber viel klarer für neue Entwickler.
NumPy Style Guide - Wissenschaftlich und präzise
Wenn du in der Wissenschaft, Datenanalyse oder maschinellen Lernen arbeitest, wirst du häufig Code mit NumPy, SciPy oder Pandas sehen. Diese Bibliotheken folgen ihrem eigenen Style Guide, der stark von der wissenschaftlichen Gemeinschaft geprägt ist.
Der NumPy-Stil ist PEP 8 sehr ähnlich, aber mit einigen wichtigen Abweichungen. Er erlaubt längere Zeilen (bis zu 100 Zeichen), weil mathematische Formeln oft schwer zu brechen sind. Variablennamen sind oft kürzer: x, y, dx statt horizontal_position. Das ist in der Wissenschaft üblich - es geht um Klarheit in Formeln, nicht um beschreibende Namen.
Er erlaubt auch mehr Flexibilität bei der Formatierung von Arrays: array([1, 2, 3]) wird oft über mehrere Zeilen geschrieben, um die Struktur sichtbar zu halten. Kommentare enthalten oft mathematische Notationen oder Verweise auf Papers. Dieser Stil ist nicht für Web-Apps gedacht, sondern für Forschungscode, wo Genauigkeit wichtiger ist als Schönheit.
Microsoft Python Style Guide - Enterprise-tauglich
Microsoft hat seinen eigenen Python-Style Guide für interne Projekte entwickelt - besonders für Anwendungen, die mit .NET, Azure oder Windows-Integrationen arbeiten. Dieser Stil ist ein Hybrid aus PEP 8 und Enterprise-Praktiken aus C# und Java.
Microsoft bevorzugt PascalCase für Klassen, was PEP 8 entspricht. Aber für Variablen und Funktionen verwendet es oft camelCase - also userName statt user_name. Das mag ungewohnt wirken, aber es erleichtert die Integration mit anderen .NET-Sprachen. Auch bei Dokumentationen setzt Microsoft auf XML-Dokumentationskommentare, ähnlich wie in C#.
Der Stil ist besonders nützlich, wenn du in großen Unternehmen arbeitest, die mehrere Sprachen nutzen. Er reduziert den kognitiven Aufwand, wenn du zwischen Python und C# wechselst. Microsoft empfiehlt außerdem strenge Tests und Typ-Hinweise (Type Hints) - sogar mehr als PEP 8. Das macht den Code robust, aber auch etwas schwerer zu schreiben.
Wie wählst du den richtigen Stil?
Es gibt keine „beste“ Methode - nur die richtige für deinen Kontext. Wenn du neu in Python bist, fange mit PEP 8 an. Es ist die Sprache, die alle anderen verstehen. Wenn du in einem Team arbeitest, folge dem Stil, den das Team bereits verwendet. Ändere ihn nicht einfach, nur weil du ihn nicht magst.
Einige Regeln gelten immer:
- Sei konsistent - innerhalb eines Projekts darf es nur einen Stil geben.
- Benutze Tools wie black oder autopep8, um manuelles Formatieren zu vermeiden.
- Verstehe, warum ein Stil existiert - nicht nur, wie er aussieht.
- Wenn du Open Source beiträgst, lies die Richtlinien des Projekts vorher - oft steht das in einer Datei namens
CONTRIBUTING.md.
Ein Code, der nach PEP 8 geschrieben ist, sieht professionell aus - aber ein Code, der konsistent ist, ist noch besser. Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Es geht darum, dass andere dich verstehen.
Was passiert, wenn du den Stil ignorierst?
Wenn du deinen Code nicht formatierst, passiert Folgendes: Andere Entwickler müssen länger brauchen, um ihn zu lesen. Sie stellen Fragen, die eigentlich durch klare Formatierung vermeidbar wären. Pull Requests werden abgelehnt. Code-Reviews dauern doppelt so lange. In manchen Unternehmen wirst du sogar daran gehindert, deinen Code in das Haupt-Repository einzubringen.
Ein Beispiel: Ein Anfänger schreibt def myfunction(x,y): - ohne Leerzeichen um das Komma. Ein erfahrener Entwickler merkt sofort: Dieser Mensch kennt die Grundregeln nicht. Das schadet deinem Ruf - selbst wenn der Code funktioniert.
Stil ist kein Luxus. Er ist Teil der professionellen Softwareentwicklung. In Python, wo Lesbarkeit über Geschwindigkeit geht, ist er sogar entscheidend.
Praxis-Tipp: So setzt du einen Stil in deinem Projekt durch
Willst du einen einheitlichen Stil in deinem Team einführen? Dann mach das so:
- Wähle einen Standard (PEP 8 ist der sicherste Start).
- Installiere black:
pip install black. - Führe es im Projekt aus:
black .- das formatiert alles automatisch. - Füge pre-commit hinzu: So wird jeder Commit automatisch formatiert, bevor er hochgeladen wird.
- Dokumentiere den Stil in einer Datei
STYLE.md- auch wenn du black verwendest, sollte jeder wissen, warum.
Du brauchst keine Diskussionen über Leerzeichen mehr. Die Maschine erledigt das. Du kannst dich auf Logik und Problemlösung konzentrieren.
Warum ist Python anders als andere Sprachen?
In Java oder C# gibt es viele Stile - aber keiner ist dominant. In Python ist es anders. Die Sprache wurde von Anfang an so entworfen, dass sie lesbar ist. Der Zen von Python sagt: „Lesbarkeit zählt.“
Daher hat Python nicht nur einen Stil - es hat eine Kultur. Wer Python nutzt, erwartet, dass der Code wie fließender Text wirkt. Zu viele Klammern, zu viele Zeilen, zu viele Abkürzungen - das stört. Python will, dass du dich auf das Wesentliche konzentrierst: Was soll der Code tun? Nicht wie er aussieht.
Und doch - die Art, wie er aussieht, bestimmt, ob er verstanden wird.
Was ist der wichtigste Coding-Stil in Python?
Der wichtigste Stil ist PEP 8. Er ist die offizielle Richtlinie der Python-Community und wird in fast allen professionellen Projekten verwendet. Ob du in einem Startup, einer Uni oder einem großen Unternehmen arbeitest - PEP 8 ist die Basissprache für Python-Code.
Kann ich meinen eigenen Stil in Python verwenden?
Ja - aber nur, wenn du allein arbeitest oder dein Team damit einverstanden ist. In Open-Source-Projekten oder Unternehmen wird dein Code sonst abgelehnt. Ein eigener Stil ist sinnvoll, wenn du spezifische Anforderungen hast - etwa bei wissenschaftlichem Code mit NumPy. Aber vermeide es, einfach willkürlich Regeln zu ändern.
Warum verwendet Google camelCase in Python?
Google verwendet camelCase nicht für Python-Variablen - das ist ein Irrtum. Google’s Style Guide für Python folgt PEP 8 und verwendet snake_case. Nur in .NET- oder Java-Projekten nutzt Google camelCase. In Python ist snake_case die Regel - auch bei Google.
Brauche ich Type Hints in Python?
Nein, sie sind nicht verpflichtend - aber sie sind stark empfohlen. Type Hints machen deinen Code verständlicher, helfen Tools wie mypy, Fehler zu finden, und verbessern die IDE-Unterstützung. Microsoft und viele Unternehmen verlangen sie. Auch wenn du sie nicht benutzt, solltest du sie lernen.
Wie erkenne ich, welcher Stil in einem Projekt verwendet wird?
Schau dir die Dateien pyproject.toml, .flake8, black.toml oder CONTRIBUTING.md an. Dort steht, welcher Style Guide verwendet wird. Wenn du keine solche Datei findest, nimm PEP 8 als Standard - er ist fast immer die richtige Wahl.