Warum Rust statt Python?

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Wenn du heute eine neue Projekt startest, stehst du vor einer einfachen, aber entscheidenden Frage: Rust oder Python? Beide Sprachen sind beliebt, aber sie dienen völlig unterschiedlichen Zwecken. Python ist der Klassiker - leicht zu lernen, schnell zu schreiben, perfekt für Prototypen, Datenanalyse oder Skripte. Rust hingegen ist der Neue, der langsam aber sicher die Regeln ändert, besonders wenn es um Geschwindigkeit, Stabilität und Kontrolle geht. Es geht nicht darum, welche Sprache besser ist. Es geht darum, welche Sprache für Rust die bessere Wahl ist - und warum das in vielen Fällen heute mehr als nur ein Trend ist.

Python ist bequem - aber das ist auch sein größtes Risiko

Python hat einen unglaublichen Vorteil: Du kannst in Minuten etwas funktionierendes hinschreiben. Ein Skript, das Daten aus einer CSV-Datei liest und in eine Datenbank schreibt? In fünf Zeilen erledigt. Kein Kompilieren, keine komplizierten Typen, keine Verwaltung von Speicher. Das macht Python ideal für Anfänger, Data Scientists oder Entwickler, die schnell Ergebnisse brauchen.

Aber diese Bequemlichkeit hat einen Preis. Python läuft in einer virtuellen Maschine - der Python-Interpreter. Das bedeutet, dass dein Code nicht direkt auf der Hardware ausgeführt wird. Er wird übersetzt, interpretiert, und das kostet Zeit. Ein einfaches Web-Backend in Python mit Flask oder Django kann bei 10.000 Anfragen pro Sekunde bereits an seine Grenzen stoßen. Du musst dann Lastverteilung, Caching, Microservices und mehr einbauen, nur um die Leistung zu halten. Und das alles, obwohl die eigentliche Logik des Codes nicht besonders komplex ist.

Ein weiteres Problem: Python ist dynamisch typisiert. Das heißt, der Interpreter entscheidet zur Laufzeit, welcher Datentyp eine Variable hat. Das führt zu häufigen Laufzeitfehlern, die erst auftreten, wenn der Code tatsächlich ausgeführt wird. Ein falscher Funktionsaufruf, ein undefinierter Schlüssel in einem Dictionary - das bricht dein Programm ab. In Produktionsumgebungen, besonders bei lang laufenden Diensten, ist das ein Risiko, das du nicht ignorieren kannst.

Rust: Langsam zu lernen, aber nie mehr Fehler

Rust ist anders. Es ist keine Sprache für schnelle Prototypen. Du musst dich mit dem Borrow-Checker auseinandersetzen, mit Eigentumsregeln, mit Lifetimes - Begriffe, die Anfänger erschrecken. Aber genau diese Regeln machen Rust so sicher. Der Compiler weigert sich, deinen Code zu kompilieren, wenn er einen Speicherfehler, eine Datenrenne oder eine ungültige Referenz erkennt. Das bedeutet: Wenn dein Rust-Code kompiliert, läuft er - und er läuft sicher.

Ein Beispiel: In Python kannst du einfach eine Liste löschen, während ein anderer Thread noch darauf zugreift. Das führt zu einem Absturz - manchmal nach Stunden oder Tagen, wenn die Last hoch ist. In Rust ist das unmöglich. Der Compiler prüft, wer wann auf welche Daten zugreift. Du kannst nicht zwei Threads gleichzeitig schreibend auf dieselbe Variable zugreifen - es wird dir einfach nicht erlaubt. Das ist nicht eine Einschränkung. Das ist ein Schutz.

Rust kompiliert zu native Maschinensprache. Kein Interpreter. Kein JIT. Keine Virtualisierung. Dein Code läuft direkt auf der CPU - mit Geschwindigkeit, die an C und C++ heranreicht. Ein Webserver in Rust, wie Actix Web oder Axum, kann leicht 100.000 Anfragen pro Sekunde verarbeiten - mit weniger Speicher und weniger Servern als ein Python-Backend. Das ist nicht Theorie. Es ist dokumentiert: Unternehmen wie Dropbox, Microsoft und Amazon nutzen Rust für kritische Infrastrukturkomponenten, weil sie wissen, dass es nicht abstürzt - und weil es extrem effizient ist.

Ein Serverraum in Wien mit ruhigen Rust-Servern und überlasteten Python-Servern, dargestellt als kontrastierende Techniklandschaft.

Wo Python noch die bessere Wahl ist

Das bedeutet nicht, dass Python tot ist. Ganz im Gegenteil. Wenn du ein Machine-Learning-Modell trainierst, Python mit TensorFlow oder PyTorch ist immer noch die Standardwahl. Wenn du eine Datenanalyse mit Pandas machst, ist Python unschlagbar. Wenn du ein kleines Skript schreibst, das täglich eine E-Mail versendet oder eine Webseite scrapen soll - Python ist schneller zu schreiben und einfacher zu warten.

Rust ist nicht für alles da. Es ist überdimensioniert für ein Skript, das einmal am Tag läuft. Es ist zu komplex für einen Anfänger, der nur lernen will, wie man eine Schleife schreibt. Es ist nicht die Sprache, die du nimmst, wenn du Zeit sparen willst - es ist die Sprache, die du nimmst, wenn du Sicherheit, Performance und Skalierbarkeit brauchst.

Die Zukunft gehört der Kombination

Die meisten großen Systeme nutzen heute mehrere Sprachen. Python für die Datenanalyse, Rust für die Hochleistungs-Engine, JavaScript für die Oberfläche. Das ist kein Nachteil - das ist klug. Du kannst in Rust eine leistungsstarke Bibliothek schreiben, die dann von Python aus aufgerufen wird. Das nennt man „FFI“ - Foreign Function Interface. So nutzt du die Stärken beider Welten: Python für die Flexibilität, Rust für die Leistung.

Ein konkretes Beispiel: Ein Unternehmen in Wien hat ein System zur Echtzeit-Analyse von Verkehrsdaten entwickelt. Die Daten kommen von Sensoren, werden in Rust verarbeitet - mit niedriger Latenz und ohne Abstürze - und dann an ein Python-Backend gesendet, das die Ergebnisse visualisiert und in eine Datenbank schreibt. Die Python-Seite ist einfach und schnell zu ändern. Die Rust-Seite läuft 24/7, ohne dass jemand eingreifen muss.

Entwicklerhände: eine bei einfachem Python-Code, die andere bei komplexem Rust-Code mit memory-Ownership-Diagrammen.

Warum jetzt auf Rust umsteigen?

Die Entwicklungsumgebungen für Rust sind heute viel besser als vor fünf Jahren. Mit cargo hast du einen Build-Tool, der automatisch Abhängigkeiten holt, testet, dokumentiert und veröffentlicht - genau wie pip für Python, aber mit mehr Kontrolle. Die Dokumentation von Rust ist eine der besten in der Branche. Die Community ist hilfsbereit, aber streng - und das ist gut so.

Wenn du in der Webentwicklung arbeitest: Rust hat Frameworks wie Actix Web, Rocket oder Axum, die genauso einfach zu bedienen sind wie Flask - aber mit zehnmal besserer Leistung. Wenn du Systemprogrammierung machst - Embedded, Betriebssysteme, Treiber - ist Rust heute die beste Wahl. Und wenn du in der Cloud arbeitest: AWS, Google Cloud und Azure unterstützen Rust-Native-Tools. Rust-Container sind kleiner, schneller und sicherer als Python-Container.

Die Wahl zwischen Rust und Python ist keine Frage von „besser“ oder „schlechter“. Es ist eine Frage von Kontext. Wenn du ein Startup bist, das schnell einen Prototyp braucht - bleib bei Python. Wenn du ein System baust, das Millionen von Nutzern bedienen soll - und das zuverlässig, sicher und kosteneffizient - dann ist Rust die einzige vernünftige Wahl.

Wie fängst du an?

Wenn du neugierig geworden bist, fange mit dem offiziellen Buch „The Rust Programming Language“ an - es ist kostenlos online verfügbar. Mach die ersten Übungen. Schreibe ein kleines CLI-Tool, das eine Datei umwandelt. Kompiliere es. Beobachte, wie der Compiler dich zwingt, über Speicher und Sicherheit nachzudenken. Du wirst dich am Anfang frustriert fühlen. Aber nach drei Tagen wirst du merken: Du schreibst Code, der nicht abstürzt. Und das ist ein Gefühl, das Python dir nie geben wird.

Rust ist nicht die Sprache der Zukunft. Rust ist die Sprache der Gegenwart - für alle, die nicht mehr bereit sind, für Bequemlichkeit Sicherheit zu opfern.

Ist Rust wirklich schneller als Python?

Ja, deutlich schneller. Rust-Code wird in native Maschinensprache kompiliert und läuft direkt auf der CPU. Python wird interpretiert und ist oft 10- bis 100-mal langsamer bei rechenintensiven Aufgaben. Ein Rust-Webserver kann leicht 100.000 Anfragen pro Sekunde verarbeiten, während ein Python-Server bei 5.000-10.000 Anfragen an seine Grenzen stößt - ohne zusätzliche Infrastruktur.

Kann ich Rust mit Python kombinieren?

Ja, das ist eine gängige Praxis. Du kannst Rust-Bibliotheken als „native Extensions“ in Python laden - zum Beispiel mit cffi oder PyO3. So nutzt du Rust für die leistungsintensiven Teile (wie Bildverarbeitung oder Kryptografie) und Python für die Benutzeroberfläche oder Datenanalyse. Viele Unternehmen machen genau das: Rust als Backend-Engine, Python als Frontend-Schnittstelle.

Ist Rust schwerer zu lernen als Python?

Ja, das ist es. Rust hat eine steilere Lernkurve, besonders wegen des Borrow-Checkers und der Konzepte wie Ownership und Lifetimes. Python lässt dich sofort Ergebnisse sehen. Rust verlangt, dass du erst verstehst, wie Speicher funktioniert. Aber diese Hürde ist bewusst - sie verhindert Fehler, die in Python erst später auftreten. Wer einmal Rust versteht, schreibt sichereren Code - auch in anderen Sprachen.

Wird Rust Python ersetzen?

Nein, und das ist auch nicht nötig. Python bleibt die Sprache für Data Science, Automatisierung und schnelle Prototypen. Rust ist die Sprache für Systeme, die sicher, schnell und stabil laufen müssen - wie Webserver, Browser-Engines, Blockchain-Knoten oder Embedded-Systeme. Sie ergänzen sich, nicht ersetzen sich.

Welche Unternehmen nutzen Rust?

Große Unternehmen wie Microsoft (für Windows-Komponenten), Amazon (für AWS-Infrastruktur), Google (für Chrome-Teile), Meta (für Facebook-Server) und Dropbox (für Dateisystem-Tools) setzen Rust in kritischen Bereichen ein. Rust ist die Sprache, die Unternehmen wählen, wenn sie nicht mehr bereit sind, Sicherheitslücken oder Abstürze hinzunehmen - selbst wenn das bedeutet, mehr Zeit in die Entwicklung zu investieren.

Ist Rust für Webentwicklung geeignet?

Absolut. Frameworks wie Actix Web, Axum und Rocket sind produktionsreif und bieten eine API, die so einfach ist wie Flask oder Express. Aber sie laufen mit der Geschwindigkeit von C++. Ein Rust-Webserver benötigt oft nur ein Zehntel der Serverressourcen eines Python-Backends - was Kosten spart und die Skalierbarkeit erhöht.

Über den Autor

Sonja Meierhof

Sonja Meierhof

Ich bin Sonja Meierhof und ich habe eine Leidenschaft für Entwicklung. Als Expertin in meinem Feld habe ich zahlreiche Projekte in verschiedenen Programmiersprachen umgesetzt. Ich liebe es, mein Wissen durch das Schreiben von Fachartikeln zu teilen, besonders im Bereich Softwareentwicklung und innovative Technologien. Stetig arbeite ich daran, meine Fähigkeiten zu erweitern und neue Programmierkonzepte zu erforschen.