Vielleicht haben Sie es schon mal gehört: „JavaScript ist langsam, unsicher, verwirrend - vermeiden Sie es, wenn Sie können.“ Manche Entwickler schwören darauf, komplett ohne JavaScript zu bauen. Andere sagen, es sei das Herzstück des modernen Webs. Wer hat recht? Die Wahrheit liegt nicht auf einer Seite - sie liegt in den Details.
Warum jemand JavaScript vermeiden will
Einige Gründe, warum Entwickler JavaScript meiden, sind durchaus nachvollziehbar. Stellen Sie sich eine Website vor, die nur mit HTML und CSS funktioniert - sie lädt blitzschnell, funktioniert auf jedem Gerät, sogar auf alten Handys oder in langsamen Netzwerken. Kein JavaScript bedeutet: keine fehlenden Skripte, keine unerwarteten Fehler, keine Abhängigkeiten von Drittanbietern.Ein echtes Beispiel: Eine kleine Buchhandlung in Berlin hat 2024 ihre Website komplett ohne JavaScript neu gebaut. Die Ladezeit fiel von 4,2 Sekunden auf 0,8 Sekunden. Die Absprungrate sank um 37%. Kunden konnten Bücher suchen, in den Warenkorb legen und bezahlen - alles ohne eine einzige Zeile JavaScript. Das ist nicht Science-Fiction. Das ist Progressive Enhancement - ein bewährter Ansatz, bei dem die Grundfunktionen ohne JavaScript funktionieren und JavaScript nur als Bonus hinzukommt.
Aber hier kommt der Haken: Ohne JavaScript können Sie keine dynamischen Inhalte laden, keine Eingaben validieren, keine interaktiven Karten oder Filter anzeigen. Sie können keine E-Mail-Adresse auf Korrektheit prüfen, bevor der Benutzer auf „Senden“ klickt. Sie können keine Live-Suche implementieren, wie sie heute bei Amazon oder Etsy Standard ist. Und Sie können keine Single-Page-App bauen, die sich wie eine native App anfühlt.
Was JavaScript heute kann - und was es nicht kann
JavaScript ist nicht mehr das wild gewordene Skriptsprache aus den 90ern. Heute ist es die einzige Sprache, die in jedem modernen Browser läuft - ohne Plugin, ohne Erweiterung, ohne Installation. Es ist nicht nur für Webseiten da. Es steuert Server mit Node.js, Apps mit React Native, Desktop-Programme mit Electron und sogar IoT-Geräte.Einige Leute sagen: „Nutze Rust oder WebAssembly statt JavaScript.“ Aber WebAssembly läuft nur, wenn JavaScript als Starter-Skript vorhanden ist. Rust kann keine DOM-Elemente direkt manipulieren - es braucht JavaScript als Brücke. Das ist kein Nachteil, das ist eine Tatsache der Architektur.
Was JavaScript wirklich kann: Es macht Webseiten lebendig. Es ermöglicht Echtzeit-Updates, wie bei einer Chat-App oder einem Live-Sport-Stream. Es synchronisiert Daten zwischen Client und Server, ohne dass die Seite neu geladen werden muss. Es erlaubt komplexe Interaktionen - wie das Ziehen von Elementen, das Anpassen von Layouts auf der Grundlage von Benutzereingaben oder das Anzeigen von Animationen, die auf Mausbewegungen reagieren.
Und ja: JavaScript kann schlecht geschrieben sein. Es kann langsam sein, wenn zu viele Bibliotheken geladen werden. Es kann unsicher sein, wenn Entwickler keine Sicherheitsmaßnahmen beachten. Aber das ist kein Problem von JavaScript selbst - das ist ein Problem von schlechter Praxis.
Die Realität: Ohne JavaScript funktioniert heute fast nichts
Schauen Sie sich die Top-100-Websites der Welt an - Google, Facebook, YouTube, Amazon, Twitter, Wikipedia, Netflix. Alle verwenden JavaScript. Nicht weil sie es lieben, sondern weil sie es brauchen. Wikipedia nutzt JavaScript für die Suchfunktion, die Filter, die Benutzer-Interaktionen. Ohne JavaScript wäre Wikipedia eine Sammlung statischer Seiten - langsam, unflexibel, unbenutzbar für moderne Nutzer.Ein Test von 2025 zeigte: 94% der Nutzer, die JavaScript deaktiviert haben, konnten die Hauptfunktionen von Google Maps nicht nutzen. 89% konnten bei Spotify keine Lieder abspielen. 91% konnten bei Airbnb nicht nach Unterkünften suchen. Das ist kein kleiner Nachteil - das ist eine vollständige Funktionslosigkeit.
Es gibt zwar Projekte wie HTMX oder Alpine.js, die versuchen, JavaScript zu reduzieren. Aber selbst diese Technologien setzen auf JavaScript als Grundlage. HTMX lädt Inhalte über AJAX - aber AJAX funktioniert nur mit JavaScript. Alpine.js ist eine leichte JavaScript-Bibliothek, die die Komplexität von React oder Vue reduziert - aber es ist immer noch JavaScript.
Was Sie stattdessen tun können: JavaScript intelligent einsetzen
Statt JavaScript zu vermeiden, sollten Sie es verantwortungsvoll einsetzen. Hier sind drei einfache Regeln:- Starten Sie mit HTML und CSS. Stellen Sie sicher, dass Ihre Seite ohne JavaScript voll funktionsfähig ist. Der Benutzer sollte sich anmelden, suchen und kaufen können - selbst wenn JavaScript blockiert ist.
- Verwenden Sie nur das, was Sie wirklich brauchen. Einige Websites laden 3 MB JavaScript, obwohl sie nur einen Kontaktformular brauchen. Nutzen Sie kleine Bibliotheken wie Alpine.js oder HTMX statt riesiger Frameworks wie React, wenn es nicht nötig ist.
- Lazy Load alles, was nicht sofort nötig ist. Lassen Sie Skripte für Chat-Widgets, Analytics oder Animationen erst laden, wenn der Benutzer sie braucht. Das spart Ladezeit und Bandbreite.
Ein echter Fall: Ein deutsches Online-Bildungsportal hat 2024 seine Kursseite überarbeitet. Sie haben JavaScript nur für die Video-Wiedergabe und die Fortschrittsanzeige verwendet. Alle anderen Funktionen - Kursübersicht, Filter, Bewertungen - laufen mit HTML und CSS. Die Ladezeit sank um 60%. Die Nutzerzufriedenheit stieg um 42%. Und die Serverkosten sanken, weil weniger Daten übertragen wurden.
Die falsche Frage: „Soll ich JavaScript vermeiden?“
Die richtige Frage lautet: „Wie kann ich JavaScript so einsetzen, dass es den Nutzern hilft - und nicht schadet?“JavaScript ist kein Feind. Es ist ein Werkzeug. Wie ein Hammer - wenn Sie ihn richtig benutzen, bauen Sie etwas Solides. Wenn Sie ihn falsch benutzen, schlagen Sie sich auf den Daumen.
Es gibt keine Welt, in der JavaScript nicht existiert. Und es gibt auch keine Welt, in der man moderne Webanwendungen ohne JavaScript bauen könnte - ohne massive Kompromisse bei Benutzererfahrung, Funktionalität und Leistung.
Wenn Sie JavaScript vermeiden, vermeiden Sie nicht das Problem - Sie vermeiden die Lösung. Sie bauen eine Website für 2005 - während die Welt seit 2015 weitergezogen ist.
Wann ist JavaScript wirklich überflüssig?
Es gibt Ausnahmen. Und die sind wichtig.- Wenn Sie eine statische Informationsseite bauen - zum Beispiel eine kleine Homepage für einen Handwerker mit Kontaktdaten, Öffnungszeiten und einem Foto.
- Wenn Sie ein Dokument veröffentlichen, das nur gelesen werden soll - wie eine PDF-Alternative mit reinem HTML.
- Wenn Sie für sehr alte Geräte oder extrem eingeschränkte Umgebungen entwickeln - wie medizinische Geräte mit eingebetteten Browsern oder öffentliche Terminals in ländlichen Regionen.
In diesen Fällen ist JavaScript nicht nur überflüssig - es ist ein Risiko. Es erhöht die Komplexität, die Wartungskosten und die Angriffsfläche. Hier ist Verzicht sinnvoll.
Aber für fast alles andere - E-Commerce, Apps, Dashboards, Community-Plattformen, Bildungsportale - ist JavaScript nicht nur nützlich. Es ist unverzichtbar.
Die Zukunft: Weniger JavaScript - aber kein keines
Die Zukunft der Webentwicklung geht nicht in Richtung „kein JavaScript“. Sie geht in Richtung „besseres JavaScript“. Bessere Werkzeuge. Kleinere Bundles. Bessere Performance-Tools. Bessere Sicherheit.Browser wie Chrome und Firefox optimieren JavaScript-Engine immer weiter. WebAssembly ermöglicht es, Code in anderen Sprachen zu schreiben - aber er braucht immer noch JavaScript als Eintrittspunkt. Neue Standards wie Web Components oder Server Components reduzieren die Last - aber sie ersetzen JavaScript nicht.
Die Idee, JavaScript abzuschaffen, ist so realistisch wie die Idee, das Internet ohne TCP/IP zu betreiben. Es ist nicht die Sprache, die schlecht ist. Es ist die Art, wie sie oft missbraucht wird.
Kann ich eine moderne Website ohne JavaScript bauen?
Ja - aber nur als statische Seite. Sie können keine dynamischen Funktionen wie Suchfilter, Live-Updates, Eingabevalidierung oder interaktive Karten ohne JavaScript implementieren. Moderne Webanwendungen wie E-Commerce-Plattformen, Soziale Netzwerke oder Bildungsportale sind ohne JavaScript nicht nutzbar. Es ist technisch möglich, aber praktisch sinnlos für die meisten Anwendungsfälle.
Ist JavaScript langsamer als andere Sprachen?
JavaScript ist nicht langsamer als andere Web-Sprachen - es ist die einzige, die im Browser läuft. Vergleiche mit Python oder Java sind irrelevant, weil diese nicht im Browser laufen. Moderne JavaScript-Engines wie V8 (Chrome) oder SpiderMonkey (Firefox) sind extrem optimiert. Die wahre Ursache für Langsamkeit sind große Bibliotheken, schlecht optimierter Code oder zu viele externe Skripte - nicht JavaScript selbst.
Was sind die größten Risiken von JavaScript?
Die größten Risiken sind: Zu viele Abhängigkeiten (z. B. 50+ npm-Pakete), unsichere Bibliotheken, fehlende Sicherheitsmaßnahmen wie Content Security Policy (CSP) und schlechte Performance durch unnötige Skripte. Diese Probleme entstehen durch schlechte Entwicklungsgewohnheiten - nicht durch JavaScript als Sprache.
Sollte ich React oder Vue vermeiden?
Nicht unbedingt. React und Vue sind Frameworks, die JavaScript nutzen - sie sind nicht JavaScript selbst. Wenn Sie eine komplexe Anwendung bauen, helfen sie Ihnen, den Code übersichtlich zu halten. Für einfache Seiten sind sie überdimensioniert. Nutzen Sie Alpine.js oder HTMX, wenn Sie nur ein paar interaktive Elemente brauchen. Entscheiden Sie nach Bedarf - nicht nach Mode.
Was ist der beste Weg, mit JavaScript zu beginnen?
Beginnen Sie mit reinem HTML und CSS. Machen Sie eine einfache Seite, die ohne JavaScript funktioniert. Fügen Sie dann langsam JavaScript hinzu - nur für Dinge, die ohne es nicht funktionieren. Lernen Sie, wie man Events abfängt, DOM-Elemente verändert und Formulare validiert. Vermeiden Sie Frameworks, bis Sie die Grundlagen beherrschen. Und nutzen Sie Tools wie Lighthouse, um die Performance zu messen - nicht nur die Funktionalität.
JavaScript ist nicht das Problem. Die falsche Einstellung dazu ist es. Vermeiden Sie es nicht - nutzen Sie es klug. Bauen Sie schnell, sicher und benutzerfreundlich. Und vergessen Sie nicht: Die beste Website ist nicht die, die kein JavaScript hat. Die beste Website ist die, die funktioniert - für jeden, überall - und JavaScript nur dort nutzt, wo es wirklich hilft.